300 Mitbürger bei der Info-Veranstaltung „Neubau der Moschee in der Oststadt“

„Ein Anliegen des Bürgervereins ist die Information der Bürger.“ so Dr. Scherle, Vorsitzender des Veranstalters Bürgerverein Oststadt. Um den interessierten Bürgern Räumlichkeiten der heutigen Moschee zu zeigen, sollte die Veranstaltung genau dort stattfinden. 

Auch wenn die Diskussion z.T. sehr heftig und emotional geführt wurde, äußerste sich Dr. Scherle positiv zur Veranstaltung. Sie trug dazu bei, dass das gegenseitige Wissen und Verstehen wesentlich verbessert wurde und Ängste auf beiden Seiten abgebaut werden. Er dankte  dem Vorsitzenden der türkischen Gemeinde Herrn Lütfü Azal für seinen Beitrag, der die Notwendigkeit des Neubaus darlegte, sich klar für die Einhalt der Grundrechte aussprach und auf das jahrelange friedliche Zusammenleben der muslimischen Gemeinde in der Oststadt hinwies.

Die Kirchvertreter Pfarrer Schmid von der katholischen und Frau Pfarrerin Krumm von der evangelischen Gemeinde bestätigten dies. Baubürgermeister Obert erläuterte, dass die Stadt nach baurechtlichen Kriterien den Bauantrag bewerten wird. Ein Minarett stünde dem Baurecht nicht entgegen.

Frau Derja Sahan erläuterte die Aktivitäten der muslimischen Gemeinde und die Architektur des 3 stöckigen Gebäudes mit Kuppel und Minarett. Die anschließende Fragerunde mit Antworten der Sprecher auf dem Podium wurde von einem Teil der Anwesenden mit heftigen Angriffen gegen die Beeinflussung der DITIB durch die türkische Regierung begleitet. Mit Unverständnis begegnete das Podium zur scharfen Kritik eines Bürgers am Minarett. Dr. Scherle: „Auch Kirchen haben Türme“. Schließlich beruhigte sich die Diskussion durch inhaltliche Fragen der Besucher nach den Aktivitäten der muslimischen Gemeinde.

Dr. Jakob Karszt

Podium mit den 9 Teilnehmern

Dr. Scherle und Herr Azal

Frau Derja Sahan

Hier finden Sie die ersten Reaktionen der Presse vom 19.1.:

KA-News Ablaufticker 

Live-Bericht SWR

Auszug aus der BNN vom 19.1.

Baden-TV: Baupläne werden für Bürger zur Nebensache

Ein Gedanke zu „300 Mitbürger bei der Info-Veranstaltung „Neubau der Moschee in der Oststadt“

  1. BVO Beitragsautor

    Ich habe mir erlaubt, den Kommentar des Chefredakteurs Lokales in der BNN Herrn Theo Westermann vom 20.1. hier wiederzugeben: Jakob Karszt

    Absolute Offenheit
    Es ist zwar nicht der Hauptaspekt der Moscheedebatte, aber dass der Bürgerverein Oststadt zusammen mit einer anderen Oststadtinitiative sich des Themas angenommen hat und zusammen mit Ditib eine Infoveranstaltung wie nun am Donnerstagabend auf die Beine gestellt hat, ist nichtgenugzuloben.DasistinderTat die unersetzliche Funktion eines Bürgervereins: Debatten im Stadtteil aufgreifen und da agieren, wo eine Verwaltung nicht agieren kann – oder will. Die Debatte um den Neubau einer Ditib-Moschee hat viele Ebenen und sie löst Emotionen aus. Alleine mit dem Baurecht, auf das Baubürgermeister Michael Obert verweist, begegnet man diesen nicht in adäquater Weise.DieersteEbeneistdieklareErkenntnis, dass der islamisch-türkischen Gemeinde der Bau einer Moschee nicht zu verweigern ist. Sie ist bereits dort ansässig, die bisherige Moschee, eine alte Fabrikhalle, reicht nicht mehr aus, die Gemeinde ist seit Jahrzehnten in Karlsruhe verwurzelt. Doch nun kommt die nächste Ebene ins Spiel: Einst war die türkische Religionsbehörde, deren Vertretung Ditib in Deutschland ist, Garant für die säkular ausgerichtete moderne Türkei. Dies hat sich völlig gewandelt, heute
    gilt Ditib als langer Arm des autoritärislamischen Regimes Erdogans. Mit Recht schauen die Politik und viele Bundesländer höchst kritisch auf die RollevonDitib,übrigenstundiesauch türkischstämmige Mitbürger. Für das, was sich in der Türkei geändert hat, können die Aktiven der hiesigen Moscheegemeinde nichts. Sie müssen sich aber dieser kritischen Bewertung stellen, denn die Gemeinde ist Teil des Ditib-Dachverbandes. Die Verantwortlichen der Moscheegemeinde haben Offenheit in dieser Debatte versprochen, dies haben sie am Donnerstagabend eingelöst. Auch wenn sie sichtbar überrascht waren vom Ausmaß der Skepsis, die ihren Planungen entgegenschlug. Ein Teil des Gegenwinds kam in der Tat von (auswärtigen) Aktiven einer Gruppierung „Pax Europa“ und wirkte argauswendig gelernt. Doch es wurde auch viel Kritik von Karlsruher Bürgern geäußert und spürbar. Die Rolle Ditibs, die Rolle der Frau im Islam, die Sorge vor Parallelwelten in dem geplanten Gemeindezentrum, die Skepsis gegenüber einem 35 Meter hohen Minarett in der Oststadt: Wenn Politiker demokratischer Parteien diese Stimmen aufgreifen und thematisieren, auch eigene Skepsis empfinden und äußern, dann sollte man dies nicht als Populismus diffamieren. Das nennt man schlicht und einfach Demokratie. Der weitere Weg kann nur in absoluter Offenheit geschehen. Dafür war der Donnerstagabend schon mal ein gutes Zeichen.
    Theo Westermann

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