Planung des Bernhardusplatzes/Durlacher Tor

Kommentar des OBV-Vorsitzenden zur Veranstaltung am 17.10.

In der ersten Ausgabe 2019 des Oststadtbürgers haben wir ausführlich über die Planung, unsere Vorstellungen und die der Bürger (entsprechend unserer Umfrage) berichtet (ältere Ausgaben können auf unserer Homepage nachgelesen werden).

Hier kurz zusammengefasst das bisher Geschehene: Vor über zehn Jahren wurde im Zuge der U-Strab-Planung ein erster Gestaltungsentwurf gefertigt. Vor zwei Jahren hat der Bürgerverein (BVO) die Stadtverwaltung gebeten, zur Platzgestaltung eine Bürgerbeteiligung durchzuführen, bei der die Bürger zuerst unvoreingenommen nach ihren Vorstellungen gefragt werden. Die Planer wollten dagegen in einer solchen Veranstaltung zuerst ihren Planentwurf vorstellen. Um die Bürger unvoreingenommen zu Wort kommen zu lassen, führte der BVO beim Straßenfest 2018 eine Umfrage zu möglichen Bürgerwünschen durch. Die Wünsche mit meist deutlich mehr als 63 % Zustimmung wurden den Planern mitgeteilt. Dies waren ein Markt, ein Cafè (weniger Kiosk), ein schattiges Wäldchen, einen ruhigen Bereich mit Sitzen und die Erhaltung des beruhigten Platzteils zwischen Kirche und Schule.

Bei der Bürgerinformationsveranstaltung der Stadt Ende November 2018 wurde eine gefällige, relativ grüne Planung vorgestellt, die nur wenige der Bürgerwünsche beinhaltete. Der Platz war vorwiegend entsprechend verkehrlicher Funktionen geplant; andere Funktionen, außer Begrünung, blieben außen vor. Der Damm zwischen Kirche und Schule sollte mit einem ebenerdigem Durchgang versehen werden. Die verkehrlichen Auswirkungen auf den kleinen Platzteil zwischen Kirche und Schule mit Spielplatz und OKTAVE wurde verschwiegen und seine Gestaltung war nicht in die Planung des großen Platzteils westlich des Dammes einbezogen und somit kein Thema der Veranstaltung.

Der BVO reagierte daraufhin mit einem umfangreichen Schreiben an das für die Planung federführende Gartenbauamt, in dem die fehlenden Bürgerwünsche eingefordert und weitere Aspekte kritisch angesprochen wurden. In einer Besprechung vor den Sommerferien wurde uns eine leicht überarbeitete Planung vorgestellt, in der die Bürgerwünsche eingearbeitet seien. Man kündigte uns dabei die zweite Bürgerinformationsveranstaltung für den 17. Oktober an (siehe abgedruckte Ankündigung der Stadtverwaltung in dieser Ausgabe), wobei man bedauernd hinzufügte, dass dabei, aus organisatorischen Gründen, erneut nur beschränkte Zeit für die Veranstaltung zur Verfügung stünde.

Als kleiner Erfolg können wir drei Planänderungen feststellen: Ein kleine Marktfläche soll im Dreieck zwischen Grünflächen (-schollen) und Busbahnhof angelegt werden, weitere Bäume sind insbesondere auf den zwei zentralen Grünschollen und auf der künftigen Marktfläche vorgesehen und auf den Betonrändern der Grünschollen und um einige Bäume sind Sitze mit Rückenlehnen vorgesehen. Allerdings könnte, unserer Ansicht nach, die Marktfläche etwas mehr Raum abseits der Bushaltestelle vertragen.

Während auf der einen Seite die Grünschollen angelegt werden sollen, werden durch eine ca. 80m lange überdimensionierte Treppenanlage Grünflächen auf der Dammböschung vor Kirche und Meidingerschule beseitigt, ohne dass ein Großteil der Treppenanlage z.B. durch Sitzstufen einen Sinn bekommt. Die Beurteilung des Denkmalschutzes dieser Treppenanlage, die dem ursprünglichen Zustand der Kirchentreppe zuwiderläuft, wurde uns nicht mitgeteilt.

Den geforderten Bau eines kleinen Cafés, als Mischung zwischen Bäckereifiliale mit Caféausschank und kleinen Snacks, wo man im Winter im Warmen unterstehen und im Sommer beim Eis unter Schirmen sitzen kann, wird verweigert. Und dies obwohl an anderen Plätzen die stadteigene Fächer GmbH für solche Einrichtungen zuständig ist. Auch ein Kiosk, der bei der Informationsveranstaltung im Oktober von Seiten der Stadt noch zur Diskussion gestellt wurde, ist kein Thema mehr. Stattdessen will man beim Markt einen privaten, fahrbaren Bäckerreistand mit Kaffeeausschank gewinnen, der die oben skizzierte Aufenthaltsqualität bei weitem nicht bieten kann.

Der größte Mangel der Planung ist aber die geplante Aufhebung der „reinen Fußgängerzone“ auf dem kleinen Platzteil östlich des heute noch geschlossenen Dammes, der den Platz mit Spielplatz vom Verkehr abschottet. Die Stadtverwaltung will den kleinen und großen Bernhardusplatz für Fahrradfahrer und somit auch für E-Roller freigeben. In Fortsetzung des Dammdurchstichs ist zwischen den Grünschollen von Ost nach West ein Weg geplant, der zu den Straßenübergängen zu KIT und Innenstadt führt. Der Fahrradverkehr von Durlach, über IKEA und die Gerwigstraße und umgekehrt von der Innenstadt Richtung Durlach wird unweigerlich zentral über den kleinen und großen Bernhardusplatz gelockt. Fußgänger und Fahrradfahrer werden folglich aufeinander losgelassen. Das ist für uns nicht akzeptabel.

Wir fordern, dass der zentrale Bereich des Bernhardusplatzes zur „Reinen Fußgängerzone“ ausgewiesen wird, um Unfälle zu vermeiden, spielende Kinder zu schützen und im Zentrum des Platzes eine Aufenthaltsqualität zu erreichen! Zudem sind die Fahrradfahrer konsequent um den Platz herum auf die Radrouten von Durlacher Allee und Karl-Wilhelm-Straße zu lenken. An der Bernhardstraße ist ein zusätzlicher Übergang über die Durlacher Allee zu schaffen und der von Durlach auf der Durlacher Allee kommende Fahrradweg ist auf ausgewiesener Fahrradspur am Platz vorbei zu leiten.

Liebe MitbürgerInnen, wir haben unser Bestes getan, um die Bürgerwünsche in die Planung einfließen zu lassen. Dies ist nur zu einem Teil gelungen. Es liegt nun an Ihnen, Ihre Wünsche einzufordern. Kommen sie zahlreich. Hinterfragen Sie die Planung und lassen Sie sich nicht durch eine gefällige Planung und Präsentation blenden. Fragen Sie nach, warum was wie und warum was nicht geplant wird. Stellen sie ihre Forderungen!

Ihr Jürgen Scherle

Vorsitzender des Bürgervereins Oststadt